Interview mit Olaf Wolff - Initiator des Temnitzer-Heide-Laufes: Der etwas andere Blick auf die Kyritz-Ruppiner Heide

Herr Wolff, am 5. September findet der diesjährige Temnitzer Heidelauf statt. Wie ist der Stand der Vorbereitungen?

Olaf Wolff: Wir organisieren den Lauf ja mittlerweile zum siebten Mal und haben eine gewisse Routine in den Abläufen. Seit Januar trifft sich das Organisationsteam einmal monatlich, um alle wichtigen Sachen zu besprechen. Das Online-Anmeldeportal für den Lauf ist verfügbar und wir haben bisher 80 Anmeldungen, ohne dass wir groß in die Werbung oder in die Kommunikation gegangen sind. Das ist für den jetzigen Zeitpunkt ein sehr guter und zufriedenstellender Wert. Wir haben also keine Befürchtungen, dass bis September zu wenige Anmeldungen bei uns eingehen oder Stammläufer wegbrechen, im Gegenteil: Der Großteil der Anmeldungen erfolgt erfahrungsgemäß im Juli oder August oder manchmal auch erst ein paar Tage vor dem Lauf.

 

Welche Erinnerungen haben Sie an die Premiere des Temnitzer Heidelaufes? Wie war das damals?

Olaf Wolff: Ich habe da direkt einige Szenen vor dem geistigen Auge. Zunächst war es so, dass in den Jahren 2017 und 2018 federführend durch das Amt Temnitz infrastrukturell sehr viel am Heidezugang in Pfalzheim passiert ist. Das Amt hat damals eine Chance gesehen, die Kyritz-Ruppiner Heide als ganz besondere, aus der Reihe fallende Landschaft touristisch zu nutzen. Unter anderem wurde ein Parkplatz gebaut und eine Schutzhütte. Zudem haben wir erste Veranstaltungen und Feierlichkeiten zum Thema Kyritz-Ruppiner Heide auf den Weg gebracht. Ich erinnere mich so genau daran, weil ich 2016 zertifizierter Natur- und Landschaftsführer geworden bin und mich für Veranstaltungen und Wanderungen verschiedenster Art in der Heide engagiert habe. 2018 hat sich dann unser Sportverein „Fitness Treff Natur“ gegründet, wobei der Name Programm und Ausdruck unserer Philosophie ist: Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, sportliche Aktivitäten an schönen Plätzen in der Natur zu organisieren. Dazu brauchen wir keine Sporthalle, sondern nutzen das, was uns die ländliche Region als Plus bietet.

 

Wie ging es dann weiter?

Olaf Wolff: Ein weiterer wichtiger Baustein war die Tatsache, dass Thomas Kresse 2018 Amtsdirektor im Amt Temnitz geworden ist. Zu dieser Zeit gab es mehrere Netzwerktreffen auf kommunaler Ebene zum Thema Natur- und Gesundheitstourismus. Auf einer dieser Veranstaltungen hat mich Herr Kresse angesprochen und wir sind in den Austausch gegangen. Es gab damals bereits erste Ideen für einen Lauf im Amt Temnitz, allerdings nicht unmittelbar im Zusammenhang mit der Heide. Wir haben uns dann relativ kurzfristig zusammengesetzt und Pläne gemacht. Die Bedingung unseres Vereins war, dass wir den Lauf nicht allein organisieren können und möchten. Also haben wir uns mit vier Akteuren an einen Tisch gesetzt: wir als Verein, Herr Kresse als Vertreter der Verwaltung sowie Bernd Müller als Bürgermeister von Rägelin und Olaf Müller als Vertreter der Spielvereinigung Gühlen-Glienicke/Rägelin, auf deren Sportplatz jedes Jahr der Start- und Zielbereich des Temnitzer Heidelaufes liegt. 

 

Mit welchem Ergebnis?

Olaf Wolff: Wir haben uns nicht lange ausgetauscht, sondern beschlossen, dass am 7. September der erste Heidelauf mit einer Distanz von zehn Kilometern über die Bühne gehen soll. Das ist am 2. Mai 2019 passiert – und am 6. Mai war schon Abgabeschluss für eine Bewerbung bei der Industrie- und Handelskammer, die ein Preisgeld unter der Überschrift „Region Zukunft“ für spannende Projekte ausgelobt hatte. Der Zeitplan war also wirklich sportlich bemessen. Wir haben dann einen Antrag eingereicht und dargestellt, wie wir den Lauf als Sportveranstaltung organisieren wollen. Zudem gab es einen willkommenen Anlass, den wir für uns nutzen konnten: nämlich zehn Jahre friedliche  Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide. Am Ende sind wir unter den Gewinnern gelandet und durften uns über eine stolze Summe von der IHK freuen. Durch die Konstellation mit drei beteiligten Parteien konnten wir in der Folge auf ein breites Netzwerk zurückgreifen und Geldgeber gewinnen, die bis heute zu unseren großen Sponsoren zählen, zum Beispiel die Sparkasse des Landkreises Ostprignitz-Ruppin.

 

Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Temnitzer Heidelaufes?

Olaf Wolff: 2019 war ein erster Versuch, der für alle zufriedenstellend verlaufen ist. Aber wir haben die Messlatte auch sehr hoch gelegt. Im zweiten Jahr haben wir uns an die Halbmarathon-Distanz gewagt und durften uns auch über doppelt so viele Anmeldungen wie bei der Premiere freuen. Das bedeutet jedoch auch viel mehr Arbeit. Bis heute ist der Temnitzer Heidelauf für uns als Organisationsteam jedes Jahr eine ganz große Kraftanstrengung. Man darf im Vergleich zu anderen Veranstaltungen nämlich nicht vergessen: Niemand von uns macht das professionell oder beruflich. Wir sind alle Ehrenamtler und keine Experten auf den Gebieten, die wir für die Ausrichtung bespielen müssen, also zum Beispiel Finanzmanagement und Marketing. Deshalb bemessen wir den Erfolg des Heidelaufes auch nicht an der Anzahl der Teilnehmer oder an neuen Strecken- respektive Besucherrekorden.

 

Sondern?

Olaf Wolff: Ich will die Frage mit einer Anekdote beantworten: Nach jedem Lauf kommen Menschen auf mich zu und fragen: Na, wie war die Veranstaltung? Seid ihr zufrieden? Ich sage Ihnen dann immer: Der größte Erfolg ist, dass sich vielen Menschen aus der Region für den Temnitzer Heidelauf engagieren – und das mittlerweile im siebten Jahr. Neben unserem neunköpfigen Organisationsteam denke ich zum Beispiel an die rund 30 ehrenamtlichen Helfer, die am Wettkampftag an der Strecke im Einsatz sind. Sie bringen ihre Partner und Kinder mit, packen an, versorgen die Läufer mit Wasser, weisen zusätzlich zu den Schildern den Weg aus, verbreiten gute Laune, motivieren und, beantworten Fragen. Auch im Start-Ziel-Bereich des Rägeliner Sportplatzes, wo sich wirklich alles trifft und zusammenkommt, können wir uns auf viele ehrenamtliche Helfer verlassen. Das ist ein sehr gutes und beruhigendes Gefühl.

 

Welche Aufgaben sind in diesem Bereich besonders herausfordernd?

Olaf Wolff: Neben der Verpflegung und der Funktionstüchtigkeit der Technik ist der wichtigste Punkt: Sicherheit. Bei 300 Startern und 200 Besuchern, also etwa 500 Besuchern auf dem Sportplatz, dürfen wir nichts dem Zufall überlassen. Deshalb ist das Deutsche Rote Kreuz mit einem Team im Einsatz, ebenso die Feuerwehr. Auf der Homepage des Amtes Temnitz gibt es ja den wunderbaren Podcast „Landheld sein!“, in dem prominente Leute aus Politik und Wirtschaft zu Wort. Daran muss ich immer wieder denken, denn die 50 Leute, die sich alljährlich um die Organisation des Heidelaufes kümmern, sind für mich auch echte Landhelden, die sich für unsere Region einsetzen, ohne dass sie regelmäßig in der Presse auftauchen.

 

Kommen wir zurück zum Sportlichen. Was macht den Heidelauf aus beziehungsweise was macht ihn besonders? 

Olaf Wolff: Zunächst die Tatsache, dass er in einer geschichtsträchtigen Landschaft ausgetragen wird, die Jahrzehnte Truppenplatz und Bombodrom war. Allein das erinnert viele Menschen in ganz Deutschland an die Ostermärsche und die Jahre der friedlichen Proteste, die dazu geführt haben, dass die Bundesregierung die Fläche zur zivilen und friedlichen Nutzung freigegeben hat und nicht weiter an militärischer Nutzung festgehalten hat. Wenn man das im Hinterkopf behält, hat man gleich ein ganz anderes Gefühl, wenn man die Fläche betritt. Außerdem handelt es sich bei der Kyritz-Ruppiner Heide um eine der größten offenen Heideflächen in ganz Europa, also um einen besonders schützenswerten Bereich. Hier einen Lauf zu organisieren, bedarf besonderer Erlaubnisse, was darf stattfinden und was nicht. Deshalb macht es uns sehr stolz, dass wir das einvernehmlich mit allen beteiligten Akteuren regelmäßig abstimmen und eine gute Veranstaltung ausrichten können. 

 

Wo liegen die Schwierigkeiten für Läufer, Walker und andere Teilnehmer?

Olaf Wolff: Die größte Herausforderung ist wahrscheinlich der Heidesand. Vor zwei Jahren hat mich ein Marathon-Läufer nach dem Zieleinlauf angesprochen. Er meinte: Hey Olaf, ihr müsst eure Veranstaltung umbenennen. Sie darf mehr Temnitzer Heidelauf heißen, treffender wäre Temnitzer Wüstenlauf. Darüber musste ich sehr lachen. Aber es hat auch einen sehr wahren Kern: Weil es keine asphaltierte Strecke und keinen gepflegten Waldboden gibt, sondern einen eher rustikalen Belag, ist der Zieleinlauf meistens eine Kraftfrage und eine echte sportliche Herausforderung. Dieses Alleinstellungsmerkmal kommunizieren wir auch nach außen. Ich bin ja selbst leidenschaftlicher Nordic Walker und kenne die Laufstrecken deutschlandweit. Deshalb kann ich nur bestätigen: So ein Lauf in der Heide geht an die Substanz.

 

Würden Sie gern einmal selbst am Temnitzer Heidelauf teilnehmen?

Olaf Wolff: Natürlich! Leider wird das auf absehbare Zeit nicht funktionieren. Beides parallel, also organisieren und noch selbst laufen, ist einfach unmöglich. Ich kann mich ja schlecht am Wettkampftag für ein paar Stunden ausklinken und auf die Strecke begeben. Aber vielleicht ergibt sich ja irgendwann die Gelegenheit. Ich würde mich jedenfalls sehr darüber freuen. 

 

Vielen Dank für das Gespräch Herr Wolff, wir wünschen dem gesamten Orga-Team gutes Gelingen für den 7. Temnitzer Heide-Lauf 05.09.2026.

 

Haben Sie Lust bei Temnitzer-Heide-Lauf zu helfen? Jede helfende Hand ist herzlich willkommen! Dann melden Sie sich gern bei Olaf Wolff unter oder  +49 151 15126790.

 

 

 

Weitere Informationen

Veröffentlichung

Amt Temnitz
Mo, 20. Juli 2026

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