Wenn der Sohn den Vater zum Laufen bringt – eine besondere Heide-Lauf-Geschichte
Seit der ersten Auflage des Temnitzer Heide-Laufes stehen Uwe und Philipp Gotscha gemeinsam an der Startlinie. Das Besondere: Nicht der Vater brachte den Sohn zum Laufen, sondern umgekehrt. Bis heute verbindet die Dabergotzer die Freude am gemeinsamen Sport – und die Begeisterung für einen der anspruchsvollsten Läufe der Region.
Meistens ist es der Vater, der seinem Sohn die Begeisterung für ein Hobby mit auf den Weg gibt. Bei Familie Gotscha war es genau andersherum: Weil der damals achtjährige Philipp unbedingt beim Wutzsee-Lauf in Lindow starten wollte, kam Uwe Gotscha überhaupt erst zum Laufsport. Heute, mehr als 30 Jahre später, ist Laufen für ihn zu einer großen Leidenschaft geworden – und Vater und Sohn stehen noch immer gemeinsam an der Startlinie.
Seit der ersten Auflage des Temnitzer Heide-Laufes gehören Uwe und Philipp Gotscha zu den treuesten Teilnehmern der Veranstaltung. Als der Lauf 2017 in Wildberg und 2018 in Walsleben ausgetragen wurde, waren sie ebenso dabei wie bei allen weiteren Auflagen. Lediglich die coronabedingte Pause 2022 unterbrach diese besondere Serie. Ansonsten haben beide stets alles darangesetzt, den Temnitzer Heide-Lauf fest in ihren Laufkalender einzuplanen.
Der Anfang ihrer gemeinsamen Laufgeschichte liegt in Lindow. Dort lebte die Familie, bevor sie nach Dabergotz zog. Beim Stadtfest wurde damals erstmals der Wutzsee-Lauf veranstaltet. Philipp, der als Kind Fußball spielte, wollte unbedingt mitlaufen – und schaffte den Parcours um den See. Sein Vater war beeindruckt. „Das war für mich der Ansporn zu sagen: Das probiere ich auch mal aus.“ Zunächst lief Uwe Gotscha einfach für sich, Runde um Runde um den Wutzsee. Aus den ersten Trainingseinheiten entwickelte sich schnell eine Leidenschaft. Seit der Premiere des Wutzsee-Laufes ist er jedes Jahr am Start – in diesem Jahr bereits zum 21. Mal.
Mit der Zeit kamen immer mehr Laufveranstaltungen hinzu. Gemeinsam starteten Vater und Sohn unter anderem in Potsdam, Bad Wilsnack und beim Berlin-Marathon, den Philipp ebenfalls erfolgreich absolvierte. Heute nehmen sie jedes Jahr an acht bis 15 Läufen gemeinsam teil.
Dass Philipp inzwischen der Schnellere von beiden ist, stört Uwe Gotscha keineswegs – im Gegenteil. Besonders gern erinnert er sich an den Potsdamer Schlösserlauf zu seinem 60. Geburtstag. Damals hatte Philipp ein klares Ziel ausgegeben: eine neue persönliche Bestzeit. Als Tempomacher zog er seinen Vater bis an dessen Leistungsgrenze – mit Erfolg. Gemeinsam erreichten sie die angestrebte Bestzeit.
Der Temnitzer Heide-Lauf nimmt im Kalender der beiden einen besonderen Platz ein. „Das ist einer der anspruchsvollsten Läufe, die wir kennen“, sagt Uwe Gotscha. Philipp ergänzt schmunzelnd: „Der Heidelauf kann richtig wehtun.“ Vor allem die sandigen Wege und der Anstieg zum Sielmannhügel verlangen selbst erfahrenen Läuferinnen und Läufern einiges ab. Genau diese Herausforderung macht für die beiden aber auch den Reiz der Veranstaltung aus.
Neben der abwechslungsreichen Strecke schätzen Vater und Sohn vor allem die familiäre Atmosphäre. „Der Lauf ist immer super organisiert, und auch das Drumherum stimmt einfach“, sagen beide. Besonders der Zieleinlauf auf dem Sportplatz in Rägelin, wo Freunde, Familie und zahlreiche Zuschauer die Teilnehmer lautstark empfangen, sei jedes Jahr ein echtes Highlight.
Für Uwe Gotscha gehören der Wutzsee-Lauf, der Hubertus-Lauf und der Temnitzer Heide-Lauf zu den bedeutendsten Laufveranstaltungen der Region. „So wie es beim Tennis die Grand Slams gibt, haben wir hier unsere drei großen Läufe – von der Teilnehmerzahl, der Organisation und den anspruchsvollen Strecken.“
Auch in diesem Jahr gehen Vater und Sohn wieder an den Start. Philipp nimmt die Halbmarathonstrecke in Angriff und hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Er möchte unter die besten fünf Läufer kommen und die Marke von 1:40 Stunden unterbieten. Uwe Gotscha entscheidet kurzfristig, welche Distanz sein Knie zulässt. Eines ist jedoch schon klar: Die Freude am Sport und die Verbundenheit mit dem Temnitzer Heide-Lauf stehen an erster Stelle.

